In eigener Sache

Winfried Becker, Landrat des Schwalm-Eder-Kreises

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

„Tu, was du nicht lassen kannst“ - das heißt doch nichts anderes als „mach doch, was du willst!“. Aber sind wir überhaupt frei, zu tun und zu lassen, was wir wollen? In der modernen Leistungsgesellschaft hat das „Tun“ naturgemäß den höheren Stellenwert. Und in Zeiten von Multi-Tasking ist es ohnehin angesagt, das eine zu tun ohne das andere zu lassen.

TUN

und Lassen bilden ein Spannungsfeld, in dem sich alles abspielt. Dauerhafte Untätigkeit ist genauso ungesund wie ununterbrochene Aktivität. Unser Alltag sieht aber anders aus. Hier gehören ständige Erreichbarkeit, Einsatzbereitschaft rund um die Uhr und eine möglichst aktive Freizeitgestaltung längst zum guten Ton. Nein sagen und etwas einfach mal sein lassen, kommt nicht so gut an, keiner will als Versager gelten. Dabei entsteht erst im Wechsel zwischen Aktivität und Passivität, von Gestalten und Geschehenlassen, von Geben und Nehmen die Balance, die uns durchs Leben trägt.

UND

das noch, und das auch noch - wir neigen dazu, uns zu viel vorzunehmen. Es fällt zunehmend schwer, aus den vielfältigen Angeboten an Produkten, Informationen und sonstigen Möglichkeiten die wirklich Wichtige herauszufiltern. Aus Angst, etwas zu verpassen, sind wir ständig online und für alle Einflüsterungen offen. Die persönlichen Todo-Listen werden immer länger, und das schon bei Kindern. Da helfen auch die Ratschläge von Therapeuten wenig, deren Bücher Bestsellerauflagen erreichen. Denn der Wunsch nach Ruhe und Entspannung erhöht den Stress noch zusätzlich, weil damit weitere Termine und Aufgaben hinzu kommen.

Wer die viel propagierte Aufforderung „simplify your life!“ umsetzen und sein Leben von Grund auf entrümpeln will, hat erst einmal eine ganze Menge zu tun. Auch das Zur-Ruhe-Kommen funktioniert nicht von allein, sondern setzt Entscheidungen und Aktivitäten voraus.

LASSEN

ist nun einmal schwieriger als Tun, denn dabei geben wir die Kontrolle aus der Hand. Etwas sich selbst überlassen, etwas einfach geschehen lassen, eine Chance ungenutzt vorübergehen lassen - das widerstrebt uns zutiefst. Denn in einer Welt, in der das Ansammeln von Gütern und ein voller Terminkalender Zeichen von Erfolg und Wohlstand ist, bedeutet Loslassen immer auch Verlust und damit Schmerz. Oft sind es Krisen oder Krankheiten, die uns dazu bringen, über notwendige Veränderungen nachzudenken. Dann gelingt es vielleicht, das eine oder andere wegzulassen, sein zu lassen, die sprichwörtlichen „Fünfe gerade sein“ zu lassen. Aber muss es erst so weit kommen?

Das vorliegende Frühjahrsprogramm der Volkshochschule bietet beides: Anregungen zum Tun, zum Ausprobieren und Kennenlernen ebenso wie Hilfen zum Loslassen, zum gelasseneren Umgang mit sich selbst und anderen. Es kommt eigentlich nur darauf an, etwas mehr auf sich zu achten, regelmäßig in sich hinein zu horchen und der inneren Stimme oder dem Bauchgefühl zu folgen. Diese Achtsamkeit kann man lernen und einüben - für ein gesundes Gleichgewicht.

„Tun Sie, was Sie nicht lassen können und lassen Sie, was Sie nicht tun müssen“:

Den Kurs bestimmen Sie!



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